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Frühkindliche Bildung und Systemische Perspektive

 

Frühkindliche Bildung wird heute in zunehmendem Maße als sozialer Prozess verstanden. Erwachsener und Kind stehen im Dialog zu- und miteinander zur gemeinsamen ko-konstruktiven Schaffung von Wirklichkeit und Sinn im sozialen Kontext. Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse messen insbesondere den ersten sechs Lebensjahren und den Grundschuljahren eine besondere Bedeutung bei, weil sie sich als die lernintensivsten und entwicklungsreichsten Jahre erweisen. „In diesen Jahren sind die Lernprozesse des Kindes unlösbar verbunden mit der Plastizität des Gehirns, seiner Veränderbarkeit und Formbarkeit; es wird der Grundstein für lebenslanges Lernen gelegt.“(BEP)

 

Aus dieser bildungsphilosophischen Grundlage des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung (BEP) folgt die Beantwortung der Frage, welche Haltung der erwachsenen Bildungs-Dialog-Partner des Kindes hilfreich sein kann, damit kindliche Bildungsprozesse konstruktiv begleitet werden können und Bildung in einem Rahmen stattfindet, der Potentialentfaltung fördert und Begeisterung weckt.

 

Hilfreich ist eine Haltung, die geprägt ist von

 

-          Bedingungsloser Wertschätzung gegenüber dem Kind

-          Respekt vor der Einmaligkeit jedes Kindes

-          Unvoreingenommenheit und Offenheit sowie Neugier

-          feinfühliger und liebevoller Unterstützung

-          Klarheit und Struktur

-          emotionaler Wärme und Verantwortungsübernahme

-          Authentizität und Reflexivität

-          Ermutigung und Ansporn zu aktivem und kreativem Handeln

-          gemeinsamer Gestaltung von Erfahrungs- und Lernfeldern in der Institution
 

Dieser Erkenntnis im BEP und den nachfolgend aufgeführten systemischen Prämissen folgend verankern wir systemisches Wissen in unseren Weiterbildungen, damit sich Pädagoginnen und Pädagogen in zunehmendem Maße um dieses „zentrale Arbeitsmittel“ des „öffnenden Dialogs“ (Wilhelm Rotthaus, DGSF, „Was ist systemisch?“) bemühen und diese Haltung verinnerlichen.

 

 

                                      Systemische Prämissen

 

           (©Volkmar Abt, 2004, www.systemisches-institut.de , mit freundlicher Genehmigung)

  

  

1.    Jeder Mensch ist ein autonomes Wesen.
 

2.    Jeder Mensch entscheidet gemäß seiner inneren Selbstorganisation.
 

3.    Jeder Mensch bildet kontinuierlich Sichtweisen über die Wirklichkeit.
 

4.    Jeder Mensch trifft zu jeder Zeit genau die für ihn in diesem Moment richtige Entscheidung.
 

5.    Jeder Mensch trifft seine Entscheidungen unter Einbezug seiner sozialen Umwelt.
 

6.    Jeder Mensch besitzt Potenziale zur inneren Umstrukturierung.
 

7.    Jeder Mensch hat die Fähigkeit zu innerem Wachstum.
 

8.    Jeder Mensch besitzt Erfahrungen im Lösen von Problemen.
 

9.    Jeder Mensch ist in der Lage, für ihn nützliche Erfahrungen zu integrieren.
 

10.  Jeder Mensch ändert sich, wenn es sich subjektiv für ihn lohnt.